Herbert Kuhner
- Liebesbriefe und andere Nachrichten
„’Harry, vergiß endlich den Schmarren!
Wir sind eben nicht der Peter Handke oder was weiß ich wer,
wir spielen nicht in der A-Liga, wir sind halt kleine Wursteln,
vielleicht schaffen wir es in den Mittelbereich hinauf.’
Aber das hat er nicht akzeptiert.”
- Peter Paul Wiplinger
“‘Harry, why don’t you forget all that gobbledygook!
We are not Peter Handke and we can’t play in the Major Leagues.
We’re just small potatoes and might be able to play in the Minor Leagues.’
But he would simply not accept that appraisal.”
- Peter Paul Wiplinger
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Peter Paul Wiplinger
Schriftstellerbegegnungen 1960-2010,
Kitab Verlag,
Klagenfurt, 2010
Kuhner Harry, amerikanisch-jüdischer Schriftsteller und Übersetzer mit Wurzeln in Wien, wo er nach seiner Emigration in die USA und seiner Jugendzeit dort jetzt auch wieder seit langem lebt. Geboren 1935 in Wien.
Er ist der erste Übersetzer meiner Gedichte ins Englische bzw. Amerikanische, wir haben in gemeinsamer Arbeit meinen 1978 in New York erschienenen Gedichtband „Borders/Grenzen” publiziert. Ein Hauptthema des Buches war der Holocaust. Dieses Thema und die gemeinsame Arbeit waren es auch, was uns verbunden hat; jedenfalls für einige Zeit. Wir waren 1979 zusammen in London, haben dort im gleichen billigen Hotel gewohnt, sind miteinander spazieren gegangen, er hat mir eini¬ges in London gezeigt, weil er ja als Kind längere Zeit dort war. Er hat immer wieder von Literatur, eigentlich mehr von den Literaten, diesen und jenen, gesprochen und davon, daß man ihn in Österreich als Dich¬ter verhindere, weil, weil, weil … Ich habe ihm gesagt: „Harry, vergiß endlich den Schmarren! Wir sind eben nicht der Peter Handke oder was weiß ich wer, wir spielen nicht in der A-Liga, wir sind halt kleine Wur¬steln, vielleicht schaffen wir es in den Mittelbereich hinauf.” Aber das hat er nicht akzeptiert. Für ihn war Handke ein schlechter Dichter und der Thomas Bernhard auch nicht gerade wahnsinnig gut. Jedenfalls hätte er, auch als jüdischer Emigrant und als einer von den (österreichischen) Nazis Vertriebener etwas anderes verdient, als er hier dann in Österreich vorgefunden und wo man ihm nur Prügel in den Weg gelegt und seine Karriere verhindert hat, weil ihn der Herr Dr. Wolfgang Kraus, der Chef der Österreichischen Gesellschaft für Literatur, nicht als österreichischen Dichter angesehen und nicht seinen literarischen Rang (den er noch gar nicht hatte) anerkannt und ihn nicht nach Adelaide in Australien zu ei¬nem Weltpoesietreffen geschickt hat. Jedenfalls hat mich seine diesbezügliche Lamentiererei in London ziemlich genervt, sodaß ich sogar aus dem Hotel ausgezogen bin, um meine Ruhe zu haben. Wir haben uns dann aber doch wieder soweit versöhnt, daß wir miteinander Silvester gefeiert haben. Aber auch da gab es wieder eine typischen Kuhner-Vorfall, an dem er selbstverständlich nicht schuld war. Ich hatte eine Einladung zu einer Party, zwei nette Mädels warteten dort auf uns, jedenfalls auf mich. Aber der Harry mußte wieder so lange und so viel und so langsam in irgendeinem Restaurant etwas essen, daß wir die Party und sogar den Mitternachtsrummel am Trafalgar Square versäumten. Da war ich dann wirklich sauer.
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