Republikanischer Club und Aktionismus
© by Herbert Kuhner
Juni 2005 fanden drei Veranstaltungen mit der Galerie Charim im Republikanischen Club - Neues Österreich statt. Die Galerie Charim ist die Schaltstelle für Otto Mühl und Aktionistische Kunst in Österreich.
Jene, die Mühls Arbeiten fördern, verbreiten den Geist von Mühl. Diese zwei Elemente sind untrennbar.
Ich schrieb Doron Rabinovici, Club-Vorstandsmitglied, über diese Verbindung und schlug ein Programm über Kunst und Verbrechen, mit einer Diskussion vor. Am 13. Feb. 2006 bekam ich folgende Antwort: „Ich werde Deinen Programmvorschlag anderen im Vorstand vorlegen, aber ich bin, soviel sollte ich Dir sagen, dagegen. Ich finde das Thema nicht aktuell. Es paßt nicht zu unseren Diskussionsreihen. Es ist uns kein Anliegen. Es folgt nicht der Dramaturgie unserer Veranstaltungen. Bei uns müßte eine bestehende und kontroversielle Debatte, die unsere Mitglieder beschäftigt, widergespiegelt werden.”
Die Löwengrube entpuppte sich als Mausloch.
Filmemacher Fritz Kleibel: „Verneinung im six pack! - Natürlich spiegelt das Thema kaum jemanden vom ‚Club’ wieder, die meisten werden wohl in irgendeiner weise Geld in diese Kunst gesteckt haben und wollen daher kein Risiko eingehen.”
Hier sind Zitate von und über Otto Mühl:
Otto Mühl: „Darstellungswürdig ist alles, was einfällt … Auch der Lustmord ist drin. Koitus, Folterungen, Vernichtung von Menschen und Tieren sind das einzige sehenswerte Theater … Zur Sexualität gehört natürlich auch das Morden.” Haustiere dienen ihm als Notbehelf. Demnächst will er im LSD-Rausch einen “perfekten Lustmord verüben, mit einer Ziege, die ich als Frau anerkenne. In meinen nächsten Filmen werden Menschen geschlachtet. Das Schlachten von Menschen darf nicht Staatsmonopol bleiben. Es wird bald zur sittlichen Pflicht gehören, Banken zu knacken und irgendeinen Krüppel niederzuschießen.”
Otto Mühls Credo:
Das Friedrichshofer Vaterunser
Es lebe das Ganze
Ich widerstehe der Versuchung,
gegen das Ganze zu sündigen,
Sowohl in der Sexualität, als auch im Besitz,
Sowohl auch in meinem Denken und Handeln,
Alles was ich tue, ist auf das Ganze gerichtet,
Ich werde mein Programm, das ich von fremden,
ethischen Menschen aufgeprägt bekam, auflösen.
Und in ein soziales Programm im Sinne
des Ganzen umfunktionieren.
Ich denke, arbeite, handle und fühle
nur für das Ganze.
Ohne das Ganze bin ich ein nichts.
Zitat Otto Mühl: „Die Demokratie ist auch so eine Scheiße.”
Mehr Mühl: „Die Erwachsenen betrachte ich nur als Futter für die Kinder. Mein Plan wäre, hier 5.000 Kinder, und die Erwachsenen verzichten aufs Glück und schaffen nur noch Geld heran, damit man das hier aufbauen kann. Es geht nur darum, sich zu ändern. Über Nacht hast du keine Zweierbeziehung mehr, keine privaten Gefühle, alles baust du ab, aufs Geld bist du nicht mehr fixiert. Du dienst nur einer Sache: Projekt dritte Generation. Die Kinder der dritten Generation, die besser sind als alle miteinander, Menschen, die überhaupt noch nie da waren. Für so etwas zu arbeiten ist ein derartiger Glücksfall. Es mobilisiert derartig viele Energie bei dem, der es erkennt und Glücksgefühle und Rausch, daß man sofort ein positiver Mensch ist”.
Erinnert dies etwa an Lebensborn?
Otto Mühl über sich selbst: „Ich bin vermutlich der eitelste Mensch unter Gottes Himmel … Cäsar, Napoleon, Stalin, Lenin, Hitler haben irrsinnig große Sachen geleistet, von denen die Welt heute noch immer spricht, sei es negativ oder positiv, immerhin das erste muß man erreichen im Leben, daß geredet wird, sonst hat das Leben keinen Sinn … So weit berühmt zu sein, ist köstlich. Sonst ist das Leben ein Blödsinn. Wenn ich nicht einigermaßen bekannt wäre, würde ich es nicht aushalten. Ich bin berühmt und werde noch berühmter. Selbst wenn ich durch den Aktionismus nicht berühmt geworden wäre, durch die Kommune bin ich’s außerdem noch.”
Hermann Nitsch über seinen Kollegen: „Mühl ist spezialisiert auf Minderjährige und Sex und ich bin spezialisiert auf qualvolles Martern von Viechern.”
Ex-Kommunarde Andreas Schlothauer: „Die meisten von uns (ehemaligen Mitgliedern) wissen, daß Otto Mühl die 12 bis 16 jährigen Mädchen nötigt. Er praktiziert das, was im Mittelalter‚ jus primae noctis‘ hieß, nur hat Hr. Mühl dieses Recht auf Wochen und Monate ausgedehnt.”
Eine Anklage gegen Mühl auf Grund von Aussagen von Kommunarden kam Ende 1989 zu Stande. Schlothauer über Ereignisse im Mühl-Prozeß am 23. Januar 1990: „Nach den bewegenden Schilderungen der sieben von Mühl mißbrauchten Mädchen folgte - unter Ausschluß der Öffentlichkeit - die Video Vorführung eines Zusammenschnittes verschiedener Darstellungen am Friedrichshof. Neben Gewalttätigkeiten Otto Mühls war mehrfach seine Frau Claudia zu sehen, wie sie minderjährige Kommunarden vor einem enthusiastischen Publikum zum Oralverkehr nötigte.
„‚Ich habe die Filme gesehen. Sie übertreffen alles Bisherige,‘ sagte die Richterin anschließend. ‚Die Buben wollten das nicht, sie haben geweint. Die sind für ihr Leben geschockt. Es war ihr Bub, ihr eigener Bub und seine Stiefmutter!’ (Einer der Jungen ist der Sohn von Otto Mühl und Claudias Schwester.)
„‚Staatsanwalt Rabonog meinte noch unter dem Eindruck meinte, noch unter dem Eindruck der Zeugenaussagen und Videovorführung stehend, in seinem Plädoyer: ‚Ich habe schon viele große Prozesse erlebt, aber noch in keinem hat mich das Schicksal der Opfer so bedrückt wie in diesem. Mühl hat Terror ausgeübt. Was ein KZ ist, wissen wir aus der Geschichte. Was die Mädchen am Friedrichshof mitmachen war genau so schrecklich. Otto Mühl hat mit Menschen experimentiert, er hat sie manipuliert. Er war als Künstler so sensibel, daß er zu wissen glaubte, wenn ein Mädchen ‚nein’ sagte es tatsächlich ‚ja’ meinen müsse. Die jugendlichen waren nicht freiwillig dort, er hatte ihnen die Eltern genommen und damit die Möglichkeit, die Kommune zu verlassen. Sie hatten keine Chance’”.
Georg Hoffmann Ostenhof schrieb im Profil: „Einige hohe Herren haben sich - so hört man - auf Besuch bei Mühl von den wilden Weibern befriedigen lassen.”
Nach Manfred Seeh in Die Presse: „1988 und 1989 sind an ausziehende Personen und jugendliche Mädchen stattliche 17,8 Millionen Schilling für günstigere Aussagen in den bevorstehenden Prozessen aus der Kommunenkasse bezahlt worden.”
Der Spiegel: „Anläßlich der Mühl-Schau im MAK, in der sie den Versuch einer Rehabilitierung des Künstlers sehen, melden sich nun zwei junge Frauen zu Wort, die neue Vorwürfe erheben: Mühl habe nicht nur, wie bislang bekannt war, Teenager mißbraucht, sondern auch Kinder in jüngerem Alter. In eidesstattlichen Erklärungen schildern die beiden Opfer, wie Mühl sie als kleine Kinder zu sexuellen Handlungen gezwungen habe. Einer der Frauen, heute 29, sagt etwa aus, sie habe als Fünfjährige, umringt von der Führungsmannschaft der Kommune, Mühl sexuell befriedigen müssen. Die beiden nun gegen Mühl auftretenden Frauen sagen, sie seien zur Zeit der Gerichtsverhandlung gegen Mühl von
ExKommunarden gezwungen worden, nicht über die Geschehnisse zu reden.”
Otmar Bauer, der Mitbegründer der ersten Mühl-Kommune war, erklärte anläßlich der Präsentation seines Buches 1968 am 5 März 2004, daß die Kinder der neuen Kommune in Algarve in Portugal sexuell mißbraucht werden.
Gewalt wurde in die Kunst integriert und stellt sich als Protest gegen Gewalt dar.
Faschismus ist eine anti-humanistische Bewegung. Wahrer Anti-Faschismus besteht aus humanistischen Prinzipien und nicht aus menschenverachtendem Geist.
Faschismus ist eine anti-humanistische Bewegung. Wahrer Anti-Faschismus besteht aus humanistischen Prinzipien und nicht aus menschenverachtendem Geist.
Ich zitiere den Soziologen Michael Ley: „Nur einem ausgegrenzten Außenseiter fiel auf, was sich hinter der billigen Floskel „antifaschistische Kunst” verbarg: Affirmation totalitärer Gewaltverhältnisse, nicht ihre Kritik.
Kunst und Verbrechen sind ineinander integriert und untrennbar von einander im Aktionismus. Das verbrecherische Element in der aktionistischen Kunst ist ein Bestandteil der Marketing- und Verkaufs-Strategie.
Jene, die Mühls Arbeiten fördern, verbreiten Mühls Geist. Diese zwei Elemente sind untrennbar.
1) Josef Dvorak: „Die Faschisten von heute: Antwort auf Hermann Nitsch“, Neues Forum, Nr. 246, Juni 1974, Wien, S.44; Otto Mühl ZOCK, Aspekte einer Totalrevolution 66/71 München, 1971; Supervisuell 6, Otto Mühl will Menschen schlachten, Zürich, 1970.
2) Fritz Rummler: „Ein Problem der Umweltverschmutzung?“, Der Spiegel, 1968 (genaues Datum unleserlich), S. 254.
3) Josef Dvorak: „Amoklauf der Aktionisten“, Neues Forum, Sept./Okt. 1974, Nr. 249/250, S. 2.
4) Andreas Schlothauer: Die Diktatur der freien Sexualität, S. 9.
5) Andreas Schlothauer: Die Diktatur der freien Sexualität, S. 139.
6) Andreas Schlothauer: AGPF AKTUELL III/89 vom 17.11.1989 Seite 8
7) Andreas Schlothauer: Die Diktatur der freien Sexualität, S. 121-122.
8) Falter 24-30. 7, Nr. 30, 1998, S. 18.
9) Ebd., S. 145
10) Ebd., S. 174
11) Georg Hoffmann-Ostenhof: Ein Echter Österreicher, Profil, Nr.8, 16. Feb. 1998, S.102.
12) Manfred Seeh: „Mühl Kommune: Rund 18 Millionen Schilling ‘Schweigegeld’ an Zeugen”, Die Presse, 10. Feb.1998, Wien, S.10.
13) Jürgen Kremb: „Opfer der Kommine”, Der Spiegel, Nr. 10, 1. März 2004, S. 156.
14) Buchpräsentation: Otmar Bauer: 1968, Antiquariat „Buch und Wein”, Schäffergasse 13a, Wien, 5. März 2004.
15) Michael Ley: „Die Würdigung blieb aus”, Illustrierte Neue Welt, April 1995, Wien, S. 21.